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Vati Dölle zum 95. Geburtstag

Menschen in Kirchditmold

„Vati“ Herbert Dölle zum 95. Geburtstag

Als Herbert Dölle am 7. Juni 1926 im Kapellenweg 28, dem Elternhaus mütterlicherseits,  als zweites Kind der Eheleute Konrad und Martha Dölle geboren wurde, war Kirchditmold erst 20 Jahre Teil der Stadt Kassel und eigentlich noch ein kleines Nest, das sich nun nach Westen hin ausbreitete: Es entstand soeben die Riedwiesensiedlung. Als Herbert in die Schule kam, bemühte sich der Bürgerverein Kirchditmold, damals etwa in der Rolle eines Ortsbeirates, u.a. gerade darum, eine angemessene Beleuchtung von Schanzen- und Mergellstraße bei der Stadt einzufordern.

 

Also, zu der Zeit mauserte sich das Dorf mit seinen knapp 4000 Einwohnern langsam aber sicher zu dem, was wir heute kennen. Und diese lange Zeitspanne überblickt der Jubilar, der als „Vati“ in Kirchditmold eine gewisse Bekanntheit genießt. Der 1. April 1932 wurde für den mittleren der drei Dölle-Brüder, Bruder Heinz war vier Jahre älter, Erich zwei Jahre jünger, zu einem ganz besonderen Tag: Es war nicht nur der Tag der Einschulung in die große, noch recht neue „Bürgerschule 21/22“, die wir heute als Friedrich-List-Schule kennen, sondern auch der Tag, an dem sein Vater ihn im Sportverein „Hessen 09“, dem späteren VfL, anmeldete.   Das war irgendwie eine Selbstverständlichkeit, aber niemand hätte gedacht, welch lange und tragfähige Verbindung damit eingegangen wurde. „Vati“ ist also seit 89 Jahren Mitglied im Verein! Doch dazu später mehr.

1934 zog die Familie in den Hochzeitsweg 18, in das Elternhaus des Vaters. Das ist das Eckhaus an der Mergellstraße, in dem auch heute noch Verwandte leben und wo im schön geschmückten Garten fröhlich „public viewing“ betrieben wird, wann immer der Fußball international rollt. Nur hundert Meter vom Elternhaus entfernt gab es den etwa 1920 angelegten Fußballplatz am Hochzeitsweg; ein Tummelplatz bereits damals für den kleinen Herbert.

Nach dem Schulabschluss folgten Lehrzeit und Anstellung bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, wo Herbert Dölle bis zur Frühverrentung 1986 tätig war.  Allerdings wurde die frühe Berufstätigkeit unterbrochen, denn auch der Jahrgang 1926  wurde noch ins Kriegsgeschehen geworfen. Herbert Dölle kam im Juli 1944 als Panzergrenadier nach Weimar, im September 1944 in der Slowakai in die 1. Panzerdivision und wurde am 4.Dezember 1944 in Siofok am Plattensee in Ungarn schwer verletzt.  Mit verschiedenen Lazarettzügen kam er nach Bayern und im Sommer 1945 wieder zurück nach Kassel.

„So, dann kam ich aus dem Kriege heim, dann kriegte ich so einen Wisch, ich sollte vor die Spruchkammer. Da hatte ich gar nichts mit zu tun! Aber dann waren sie bald so schlau und haben die Jahrgänge 1925, 1926 und jünger unter Jugendamnestie genommen. Da war dann für uns alles gelaufen, und ich habe mir da geschworen: „Nie, nie im Leben gehst du in eine Partei oder eine ähnliche Organisation!  Außer in den Sportverein, das ist ja klar!“

Schön, dass er da später eine weitere Ausnahme machte und 2015 in den BHV eintrat.

Neunzehnjährig und kriegsverletzt, der rechte Unterarm war und blieb für immer geschädigt, ließ Herbert nicht vom Sport ab. Konnte er auch nicht mehr Geräteturnen, Leichtathletik und Handball ausüben, so gingen Tischtennis und Fußball immer noch. Und von da an bis heute sind Vati und der Fußball beim VfL eins: ob Trainer, Schatzmeister, Schiedsrichter oder der Mann, der mal schnell vor einem wichtigen Spiel den gewaltig großen Rasen mit dem Handmäher in Form brachte, Vati war und ist die Fußballabteilung des VfL, wo er heute Ehrenmitglied ist und die schöne Terrasse seinen Namen trägt: Mit dem „Vati-Dölle-Platz“ wurde er für 3000 Stunden ehrenamtliche Arbeit beim Entstehen des Clubhauses geehrt.

1986 der VfL wird 100. Vati Dölle stehend 5. von rechts (Foto VfL)

Eine Mitgliedschaft seit nunmehr 89 Jahren. Alleine 12 Vereinsvorsitzende sah er kommen und gehen. Das mache ihm mal jemand nach.

Herbert Dölle, seit 2010 verwitwet, Vater zweier Kinder und Opa dreier Enkelkinder, lebte -  bis auf ein kurzes Intermezzo in der Wilhelmstraße -  stets in Kirchditmold. Und wer sich mit ihm unterhält, erfährt eine Menge aus dem Dorfe, z.B. wie das früher war mit den privaten Hausschlachtungen:  „Im Hof bei uns wurde geschlachtet, in der Waschküche die Würste gekocht. Schnaps gab es. Es war ein Event für die ganze Nachbarschaft.“ Und wie junge Leute in der Nachkriegszeit die Freizeit gestalteten: „Neben Fußball haben wir gesoffen und Tanzabende bei Fennel oben im Saal organisiert. Hinter der Schule haben wir Koks geklaut und damit im Saal den Kanonenofen eingeheizt. Dann wurde getanzt. Das war mein Ding. Ich war der Tanzbär von Kirchditmold! Das war toll damals. Kameradschaft wurde groß geschrieben.“

                                                                                                                                  

Auch an den Stollen unter der Kirche erinnert er sich. „Wenn der Stollen von der Wurmbergstraße her geöffnet würde, wäre der heute noch gangbar. So wie der Weinberg, der ist ja auch noch begehbar.“                                                                                                           

                                                                                                            

Der 90. Geburtstag wurde groß gefeiert und der 95. war ebenfalls fest vorgesehen, aber dann kam die Pandemie. „Fünfhundert Liter Bier und Hunderte von Würstchen und Schweinesteaks wie beim letzten Fest - das geht ja zur Zeit leider nicht. Das muss dann halt verschoben   werden.“ Vati sieht ganz zuversichtlich in die Zukunft und hat seine feste Meinung zum weiteren Vorgehen: „Ich gehe jetzt nicht zum Impfen in ein Impfzentrum. Andere haben es nötiger als ich. Mir geht es gut! Gesundheitlich und auch sonst. Ich werde von meiner Enkelin Melanie und von meiner Tochter Andrea und den Enkeln Niklas und Marius mit ihrem Anhang bestens versorgt. Wenn bei den Hausärzten geimpft wird, dann lasse ich mich auch impfen.“                                                                                                                        

Bleibt noch ein Rätsel zu lösen: Alle kennen Vati, aber wen man auch fragt, niemand weiß, woher der Name kommt. Tja, wer soll das auch noch wissen. „Das liegt lange zurück! „löst Vati lachend das Rätsel: „Der Name kommt vom Fußballspielen mit meinen Brüdern. Wir nannten uns Vati ein, Vati zwei und Vati drei. Ich war dann später der bekannteste von uns und behielt den Namen Vati.  

                                                           

Viele kannte meinen richtigen Namen gar nicht.“ Vati lacht: „Wenn ich mal die Mücke mache, steht das auch so in der Zeitung. Das wirst du sehen.“

Das hat allerdings noch Zeit, denn vorher wird ganz groß der 95. Geburtstag gefeiert. Vati Dölle sieht auf 95 Jahre zurück und gleichzeitig mit großer Zuversicht – Pandemie hin oder her - und einem Lächeln in die Zukunft und freut sich bei bester Gesundheit auf sein großes Fest, wann immer es nun stattfindet.

Kirchditmold gratuliert  ganz herzlich zu dem Ehrentag!                 

  Anne Belke-Herwig

 

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