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Der „Original Rührfix“ - von Kirchditmold in die weite Welt

Es ist der Sommer 1937, in Kassel findet gerade der Reichskriegertag statt, als der Ingenieur August Heinzerling für seine Erfindung, eine „Rühr- und Schlagvorrichtung“, die Urkunde vom Reichspatentamt bekommt. Damals ahnt er noch nicht, dass sein „Rührfix“, ein handbetriebenes Küchengerät, einmal weltweit Furore machen wird und fast 90 Jahre später im Internet „in gutem gebrauchten Zustand“  für bis zu 245 US Dollar angeboten wird. Zumal er in den nächsten Jahrzehnten noch ein knappes Dutzend weitere Erfindungen patentieren lässt.

Der 1899 in Kassel geborene Schlossermeister ist 1923 in die USA gegangen, um dort zu studieren. Später arbeitet er

 

als Konstrukteur beim Ford-Konzern und macht in seiner Freizeit einige Entwürfe. Als er 1934 nach Kassel-Kirchditmold zurückkehrt, wo er zusammen mit seinem Vater das Haus am Hange 41 selbst baut, gründet er eine Firma, um die von ihm entwickelten Produkte herzustellen und zu vermarkten. Der Glasbehälter mit den zwei Quirlen, die mit einer Kurbel gedreht werden, verkauft sich am besten. Schon bald wird die Produktionsstätte im Wohnhaus zu klein und so mietet er Räume am Berliner Platz an, genau da wo sich heute das Lokal „Berliner Keller“ befindet. 1937 sollen dort bereits täglich rund 100 Stück „Original Rührfix“ hergestellt worden sein.

Das von ihm entwickelte Rührwerk ist bei dem Vorkriegsmodell mit dem weinroten Bakelitdeckel eines Glasbehälters verbunden, was es von Mitbewerbern unterscheidet. Ebenso wie seine Multifunktionalität. Denn der Rührfix ist durch die Form und Gestaltung seines Rippenpresskegels auch als  Fruchtpresse zu verwenden, durch den einfachen Austausch der Antriebswelle gegen einen kleinen Ventilkegel. Eine weitere Innovation ist der seitlich im Deckel angebrachte Tropfer, durch den während des Rührens beispielsweise Speiseöl zur Herstellung von Mayonnaise hinzugefügt werden kann.

Während des  Zweiten Weltkriegs muss die Produktion wegen Materialmangel eingestellt werden. August Heinzerling findet eine Anstellung bei Henschel, wo er zuletzt als Betriebsleiter im Getriebebau tätig ist. Bei dem schweren Bombenangriff auf Kassel im Oktober 1943 wird auch sein Wohnhaus zerstört. Zusammen mit anderen „Ausgebombten“ findet er mit seiner Familie im Kloster Haydau in Morschen eine neue Unterkunft. Gleich im Mai 1945 beginnt August Heinzerling dort im nördlichen Teil des Westflügels mit der ihm eigenen Tatkraft mit dem Wiederaufbau seiner Firma. Nach den ersten erfolgreichen Nachkriegsjahren baut er in Altmorschen moderne Fabrikhallen für sein Unternehmen „HEIMAG“  in denen ab 1949 auch wieder  die Produktion seines  „Original Rührfix“ auf Hochtouren läuft.

 

 

In den 50er Jahren, als Raymond Loewys Bestseller „Hässlichkeit verkauft sich schlecht“  Furore macht, besitzt in Deutschland fast jeder dritte Haushalt einen Rührfix. Bis 1959 finden rund 2 Millionen dieser Geräte den Weg in die Küchen im In- und Ausland – bis zu 3000 Stück verlassen täglich das Werk in Morschen.  Teilweise mit poppig bunten statt weinroten Kunststoffdeckeln sind sie jetzt ganz aus Plastik und werden in viele Länder exportiert. Dort sind sie unentbehrliche Helfer für die Zubereitung von Schlagsahne, Eischnee,  Rührkuchenteig, Mayonnaisen und Mixgetränken – nicht nur im Wirtschaftswunderland Deutschland. Für die Hausbar entwickelt Heinzerling das praktische Halblitergerät „Rührfix handy“ und als weitere Innovation gibt es den De-Do, einen Dotterfänger für das Eigelb. Generationen wachsen von den 30ern bis weit in die 70er Jahre hinein mit dem „Original Rührfix“ auf, bis die elektrischen Mixer ihren endgültigen Siegeszug in die modernen Küchen einhalten und den „Rührfix“ aus Morschen in der hinteren Ecke des Küchenschrankes verstauben lassen.

August Heinzerling übergibt die Leitung seines Unternehmens an seinen Sohn Karl und stirbt 1989 im hohen Alter von 90 Jahren. Nach dem Auftragsmord an Karl Heinzerling und seiner Frau im Jahr 1997 rutscht das Unternehmen in die Insolvenz. 2004 werden die letzten Paletten mit fabrikneuen „orig. Rührfix“ nebst Zubehörteilen, Verpackungen, Rezeptheften, Werkzeugen und Montagegeräten bei einer Auktion versteigert. Insgesamt wird der Rührfix seit Mitte der 30er Jahre rund 7 Millionen Mal verkauft.

Der Beitrag wurde zur Verfügung gestellt von Dr. Bettina Becker, Vorstand KulTourAgenten e.V.

www.kultouragenten.de

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